Chronik

Schon um 1787 muß es in Durach eine Musikkapelle gegeben haben, denn aus jüngst entdeckten Aufzeichnungen geht hervor, dass in jenem Jahr der Wirt in Bodelsberg anläßlich der Kirchenweihung 12 Musikanten bewirtet hat. Dies muss also die erste Musikkapelle Durach gewesen sein. Erst aus dem Jahre 1871 stammt der nächste diesbezügliche, chronistische Nachweis; als nämlich die Soldaten vom deutsch-französischen Krieg glücklich heimkehrten, beteiligte sich beim Dankfest am 9. Juli 1871 auch die Musikkapelle Durach. Von diesem Zeitpunkt an wird die Kapelle häufig erwähnt, vor allem bei Feiern der örtlichen Vereine, wie zum Beispiel am Veteranenjahrtag, bei Beerdigungen (vor allem ehemaliger Kriegsteilnehmer), bei kirchlichen Feiern, aus Anlass des Prinzenregententags und vielem anderen mehr. Auch außerhalb der Gemeinde traten die Musikanten oft auf, so in Gasthäusern und Biergärten der Stadt Kempten und den Nachbardörfern, einmal sogar in Oberstdorf. Interessant ist es, die damaligen Honorare für die einzelnen Auftritte zu betrachten: 1887 wurde für die Beteiligung am Prinzregentenfest 2,42 Mark bezahlt, 1893 schon 5 Mark und im Jahre 1900 sogar 13 Mark. Für das Musizieren bei einem Faschingsball wurden anno 1883 38 Mark eingenommen, bei späteren Bällen bis zur Zeit des 1. Weltkrieges gab es generell 35 Mark für die Vereinskasse.

Große Lücken riss der 1. Weltkrieg in den Kreis der Aktiven, doch ware eine Reihe von Idealisten sofort wieder am Werk, die Musikkapelle zu neuem Leben zu erwecken. Hier sei Gottfried Nägele aus Weidach erwähnt, der um die Ausbildung junger Musiker sehr bemüht war. Wenn man sich rückblickend erinnert, muss man vor allem den übergroßen Idealismus der damaligen Musiker hervorheben, die keine Zeit und Mühe scheuten, sich der Musikkapelle zur Verfügung zu stellen. Obwohl es damals – wenn es nach auswärts ging – nur die Möglichkeit gab, per Fahrrad mit den Instrumenten an den Zielort zu gelangen.

1925 veranstaltete die Musikkapelle Durach ein Musikfest, bei dem zahlreiche Nachbarkapellen anwesend waren, die beim Festzug mitwirkten. Vom finanziellen Reinerlös wurden für die Musiker Uniformen beschafft, bestehend aus grünem Rock, schwarzer Hose und Schirmmütze. Während des 2. Weltkrieges spielten die in der Heimat verbliebenen Musiker hauptsächlich bei den Gefallenenehrungen am Kriegerdenkmal. Auch nach 1945 mussten sich wieder Idealisten zusammenfinden, um das Fortbestehen der Musikkapelle zu sichern. Hier sei besonders an den musikbegeisterten Posaunisten Georg Feneberg erinnert. Nach einigen, jedoch schnell überwundenen Anfangsschwierigkeiten begann eine neue Blütezeit für die Kapelle. Mehrere junge Nachwuchskräfte fanden den Weg zu dieser Gemeinschaft, und eine intensive Nachwuchsschulung führte auch zu einer personellen Erweiterung. Die musikalischen Leistungen der Kapelle fanden weit über Durach hinaus Anerkennung. Zahlreiche Musikfeste im In- und Ausland, bei deren Wertungsspielen die Duracher fast ausnahmslos in der Kunst- oder Oberstufe spielten und immer erste Preise mit Auszeichnungen davontrugen, bezeugen dies.

Im Jahre 1954 dachte man wieder an eine einheitliche Kleidung. Für jeden Musiker wurde eine Tracht beschafft, das „Allgäuer Gwand“, die bis heute bei allen öffentlichen Auftritten getragen wird. Mit den Heimatvertriebenen kam 1945 auch Hans Zischka mit seiner Familie nach Durach. Dieser Mann, als Sudetendeutscher vertrieben und nach Durach gekommen, prägte das Spiel der Musikkapelle und darüber hinaus als Kirchenmusiker, Schrammel- und Hochzeitsmusiker, Musiklehrer und Jugendausbilder, als Musiker und Dirigent auch das musikalische Leben der Gemeinde. „40 Jahre, Jahr um Jahr, Fest um Fest drückte er den Veranstaltungen der Gemeinde, der Vereine, der Pfarreien seinen musikalischen Stempel auf“, so Bürgermeister Herbert Seger 1988 anläßlich seiner Verabschiedung.

1976 war wieder ein wichtiges Jahr für die Musikkapelle. Anlässlich der 100-Jahrfeier (man hatte damals die erste urkundliche Erwähnung noch nicht) erhielt die Kapelle während eines Festaktes im Frühjahr im Kaisersaal der Benediktinerabtei Ottobeuren die Pro-Musika-Plakette verliehen. Das Jubiläumsfest selbst wurde in großem Rahmen vom 15. bis 18. Juli in der geschmückten Flughalle abgehalten. Verantwortlich war u.a. Vorstand Adelbert Lederle, heute Ehrenvorstand und Fahnenjunker der Musikkapelle. Besondere Höhepunkte waren der Festakt in der Aula der Schule, ein Allgäuer Abend, der Festgottesdienst und der sich danach anschließende Festzug mit 30 Musikkapellen und 10 Festwagen.

Das große Fest und die der Kapelle zuteil gewordene Ehrung waren aber kein Anlass, sich auszuruhen. Man überlegte im Gegenteil weiter, noch erfolgreicher zu wirken und weitere Bevölkerungsteile anzusprechen. So hatte sich im Jahr zuvor zwar schon die Musikkapelle zu einem beim Registergericht eingetragenen Musikverein ausgeweitet, dem auch fördernde Mitglieder beitreten konnten, um die gute Sache durch ihren Mitgliedsbeitrag zu unterstützen. Aus den Reihen der Mitglieder bildete sich auch ein Bläserchor, der regelmäßig bei Konzerten in der Gemeinde und in der weiteren Umgebung auftrat. Auch Inge Porzenheim mit ihrem Akkordeonorchester und der Stubenmusik gliederte sich dem Musikverein an.

Im Musikverein selbst legte Hans Zischka großes Augenmerk auf die Nachwuchsschulung. Schon 1982 erhielt er für seine jahrelange Arbeit den Ehrenkrug der Gemeinde Durach, und als er 1988 in den wohlverdienten Ruhestand trat, wurde er nicht nur durch einstimmigen Gemeinderatsbeschluss zum Ehrenbürger Durachs ernannt, sondern der bayerische Musikbund verlieh ihm die „Fördermedaille in Gold“ und der Allgäu-Schwäbische Musikbund die „Goldene Ehrennadel“.

1989 war ein neuer Markstein in der Vereinsgeschichte. Die Entdeckung der Aufzeichnung über das Bestehen einer Musikkapelle schon 1787 brachte es mit sich, dass man schon kurz nach der 100-Jahresfeier mit etwas Verspätung ein 200-Jahresjubiläum begehen konnte. In einem feierlichen Festakt in der Aula der Schule wurde der Musikkapelle am 7. Mai 1989 zu diesem Anlass die goldene Pro-Musica-Plakette verliehen. Sie ist damit die urkundlich nachweisbar älteste Musikkapelle im Bezirk 1 Kempten des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes. In diesem Zusammenhang zeichnete der ASM das Ehepaar Johann und Loni Lingg für besondere Verdienste um die Musikkapelle (sie hatten den Nachweis erforscht) mit der Fördermedaille aus.

1993 wurde dann aus Anlass der über 200-jährigen Geschichte des 22. Bezirksmusikfest im ASM-Bezirk Kempten 1 in Durach ausgerichtet. Für die Festtage hatte der Festausschuss unter Dirigent Herbert Feneberg und Vorstand Josef Siegel ein attraktives und abwechslungsreiches Programm mit Festzeltbetrieb vorbereitet, und während des Festgottesdienstes im Festzelt konnte auch die neue Vereinsfahne geweiht werden. Höhepunkte des Bezirksmusikfestes sollte allerdings der große Festzug sein, an dem zahlreiche Gruppen aus dem In- und Ausland teilnehmen wollten. Leider fiel dieser Festzug dann dem ungnädigen, miserablen Dauerregen-Wetter zum Opfer und konnte erst wenige Tage darauf und nur noch in verkleinerter Form, aber mit großer Beteiligung der Bevölkerung stattfinden.

 

Dirigenten der Musikkapelle Durach:

1787 – 1824             Johann Zick
1824 – 1856             Anton Caudinius
1856 – 1867             Johann Wendelin Kaufmann
1868 – 1874             Josef Anton Rufeisen
1874 – 1890             Robert Hentsch
1890 – 1893             Josef Heiligensetzer
1893 – 1914             Georg Rigal, Bgm.
1914 – 1918             Josef Heiligensetzer
1918 – 1922             Michael Fischer
1922 – 1934             Reinhold Brink
1934 – 1946             Konrad Bässe
1946 – 1947             Albert Feneberg
1947 – 1951             Konrad Bässe
1951 – 1953             Hans Zischka
1953 – 1955             Johann Deibler
1955 – 1986             Hans Zischka
1986 – 1994             Herbert Feneberg
1994 – 1998             Roland Gruber
1998 – 2002             Andreas Buhr
2002 – 2003             Michael Böhm
2003 – 2010             Matthias Haslach
2010 – 2011             Andreas Seger
seit 05/2011             Verena Ostheimer

 

Vorstände der Musikkapelle Durach: 

1860 – 1890             Josef Heiligensetzer
1890 – 1920             Josef Heiligensetzer
1920 – 1930             Josef Beck
1930 – 1956             Georg Feneberg
1956 – 1960             Josef Heiligensetzer
1960 – 1962             Herbert Feneberg
1962 – 1966             Siegfried Enzensberger
1966 – 1978             Adelbert Lederle
1978 – 1987             Herbert Feneberg
1987 – 1994             Josef Siegel
1994 – 2006             Roland Weber
2006 2010             Roland Gruber
seit 01/2010             Hans-Jürgen Zischka

Hinweis: Entnommen aus der Chronik Durach.

   
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